Bus- oder Bahnfahren in Indien

Es sind immer wieder diese ganz pragmatischen Fragen, wie das Bus- oder Bahnfahren, die Backpacker beschäftigen. Da wir selbst vor unserer Reise nur wenig aktuelle Informationen im Netz fanden, haben wir schon über Vietnam, Laos und Myanmar entsprechende Artikel verfasst. Jetzt also zu Indien.

Die Frage Bus- oder Bahnfahren stellt sich in Indien etwas anders. Denn eigentlich fährt man hier grundsätzlich am sichersten, preiswertesten und schnellsten mit der Bahn. Die immer zahlreicher werdenden Schlafbusse werden allerdings attraktiver für den, der mit Nachtfahrten Zeit sparen möchte.

Local Bus

Local buses sind die Nahverkehrsmittel der Inder. In jeder Stadt gibt es einen Busbahnhof von dem Busse in alle Himmelsrichtungen abfahren. Auf westliche Touristen sind diese nicht eingestellt – normalerweise sind alle Beschilderungen nur in der Landessprache. Aber wir sind ja in Indien und das heisst der nächste freundliche Inder spricht den etwas ratlos um sich blickenden Ausländer garantiert innerhalb der ersten 2 Minuten an. Weiß er selbst nicht weiter, wird er sich erkundigen und danach den Reisenden meist noch persönlich zum richtigen Bus begleiten. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an all die vielen hilfsbereiten Inder!
Alle Local buses haben neben dem Fahrer einen Conductor (Schaffner) der nach dem Ziel fragt und danach den Fahrpreis kassiert. Die Preise sind niedrig, für unter 1 Euro ist man 2-3 Stunden unterwegs. Muss man umsteigen, was bei weiter entfernten Zielen häufiger vorkommt, sagt einem der Conductor Bescheid. Wenn es nicht schon einer der Mitreisenden getan hat…
Die Busse sind oft sehr alt und klapprig, aber alles wichtige funktioniert meist gut. Pannen haben wir jedenfalls nie erlebt. Und um noch mit einem Vorurteil aufzuräumen – die Fahrweise der Busfahrer können wir nur als sehr vorsichtig und umsichtig bezeichnen. Wer den Vergleich mit Vietnam kennt, macht beruhigt ein Nickerchen während der Fahrt.
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reise-ansichten Bus Darjeeling
Local Bus von Darjeeling nach Jaigaon

Private Reisebusse

Reisebusse werden meist auf bestimmten Strecken als Alternative zur Bahn eingesetzt, häufiger aber als Ersatz für nicht vorhandenen Bahnverbindungen. Die Anreise zum Kaziranga National Park beispielsweise ist nur per Bus oder Auto möglich, etwa vom Busbahnhof in Tezpur. Die Reisebusse sind deutlich komfortabler als die Local Busse, aber auch deutlich schneller und gefühlt etwas unsicherer unterwegs.
Tickets für Reisebusse kann man in Reiseagenturen, die es in jedem größeren Dorf gibt, im Voraus kaufen. Bei Strecken mit hohem Passagieraufkommen, wie nach Kaziranga, fahren die Busse oft stündlich und man kann die Fahrkarte einfach im Bus kaufen.

Schlafbusse (Nachtrag 01/18)

Klassische Überlandbusse mit Schlafabteils für 1 oder 2 Personen boomen gerade in Indien. In diesem Januar ist die Bahn leider ziemlich überlastet, die Züge haben z. T. Verspätungen von vielen Stunden. So sind wir für klassische Backpacker Strecken wie von Goa nach Hampi (1200 Rupien) und von Hampi nach Chennai (1400 Rupien) mit Schlafbussen unterwegs gewesen. Beide Fahrten waren natürlich nicht so ruhig wie mit der Bahn, schließlich muss der Bus bei jedem Speedbraker stark abbremsen, aber mit einer Reisetablette ging das gut. Das schöne ist das Übernachtfahren – man spart die Hotelübernachtung und verliert weniger Reisezeit. Tickets gibts über Hotels oder Reisebüros.

reise-ansichten schlafbus indien
Schlafbus Abteil für zwei Personen im Bus von Hampi nach Chennai

Bahnfahren

Indien ist ein Land für Bahnfahrer! Einer der größten Arbeitgeber der Welt ist die Indian Railways, alljährlich befördert diese mehr Passagiere als es Menschen auf der ganzen Welt gibt!
Dementsprechend sind die Züge eigentlich immer voll, aber selten überbesetzt. Dafür sorgt ein ausgefeiltes System, das vollständig erklärt, diesen Text eindeutig sprengen würde. Hier kommt also das pragmatische Destillat für Backpacker:
Tickets kann man entweder selbst am Bahnhof kaufen, was in seltenen Fällen aufgrund der Komplexität des oben erwähnten System auch mal nicht klappt. Meistens geht es aber erstaunlich einfach. Bei Fernverbindungen muss immer ein Formular ausgefüllt werden und der Pass muss vorgelegt werden. Das Formular gibt es an jedem Schalter, am besten gleich mehrere einpacken, die braucht man immer wieder. Fertig ausfüllen kann man das Formular allerdings erst am Schalter, weil Zugnummer und Ziele eingetragen werden müssen, die einem ja erst der meist freundliche und gut englisch sprechende Schalterbeamte mitteilt.
Wer es ganz einfach haben möchte, kauft eine Bahnfahrkarte in einer Reiseagentur die es in jeder Stadt gibt. Der Aufpreis ist moderat.
Fernverbindungen können bis zu drei Monate im Voraus gekauft werden. Oder 24 Stunden vor Fahrtantritt. Alles dazwischen ist oft nicht möglich, weil die Züge schnell ausgebucht sind. Genau 24 Stunden vor Abfahrt des Zuges wird aber noch mal ein recht großes Kontingent an Fahrkarten (Taktal Tickets) angeboten, auf das man entweder selbst am Bahnhof oder über ein Reisebüro zugreifen kann. Für einige Verbindungen gibt es auch extra Tickets für Touristen (Tourist Quota), einfach fragen wenn sonst nichts mehr geht. Im Notfall kann man auch ein Ticket auf Warteliste kaufen, dann hat man die Garantie mitzukommen, nur ohne Platzreservierung. Die Inder kennen das und rücken zusammen.
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reise-ansichten Bahnfahren Indien 2 Klasse
Auch in der vollbesetzten 2. Klasse Sleeper ist noch Platz zum Essen
Wenn also klar ist, das man eine Fahrkarte bekommen kann, steht die Entscheidung an, welche Klasse es denn sein soll. Da die Züge selten mehr als 30-40 km in der Stunde schaffen, bietet sich für längere Strecken die Nachtfahrt in der Sleeper Class an. Das spart auch eine Hotelübernachtung.
In der einfachen 2. Klasse Sleeper sind das immer 8 Betten in einem Abteil, 2 x 3 übereinander quer zur Fahrtrichtung und 2 übereinander längs zur Fahrtrichtung. Tagsüber wird das mittlere Bett meist hochgeklappt und die Reisenden sitzen unten gemeinsam. Nachts hat natürlich jeder sein eigenes Bett, das in dieser Klasse wirklich nur aus der mit Kunstleder bezogenen Bank besteht. Kissen, Schlafsack etc. muss man selbst mitbringen.
Die Wagons haben offene Fenster und nur Ventilatoren. In der Zeit von Oktober bis März braucht man, außer im Süden Indiens, auch keine Klimaanlage. Im Gegenteil, es kann nachts im Zug durchaus kalt werden. In der restlichen Jahreszeit sollte man sich die nächste Klasse gönnen:
2AC Sleeper
Klimaanlage heißt 20°C, egal was draußen so los ist. Da braucht man auf jeden Fall eine Jacke und eine Mütze! Obwohl es auch „nur“ zweite Klasse ist, hat man nur 6 Betten pro Abteil, das mittlere fehlt. Alles wirkt etwas wohnlicher und es gibt Laken, Kissen und Decke, alles ist immer frisch gewaschen.
Auch sind die Wagons generell sauberer als die vorher beschriebene Klasse. Der Preis ist allerdings mindestens doppelt so hoch, manchmal beträgt er sogar ein Mehrfaches.
1AC Sleeper heißt nur 2 Betten in einem verschließbaren Abteil. Luxus pur, der allerdings noch mal mindestens das doppelte der 2AC Sleeper kostet…
Tagsüber kann man natürlich auch die 2. Klasse Seater buchen, die billigste Art in Indien zu reisen. Ein Buch braucht man nicht einzupacken, man wird die meiste Zeit in Gesprächen mit Indern sein. Und das nicht nur, weil man wahrscheinlich der einzige westliche Tourist im Zug ist, sondern einfach weil sich alle mit allen unterhalten, jedenfalls fast. Wir hatten ganz wunderbare Gespräche, es wurden Fotos gemacht und Freundschaften geschlossen. Und bei all dem wälzt sich ein ständiger Strom von Händlern durch den Zug, die einen mit allem versorgen, was man braucht oder eben auch nicht braucht.
Wer in Indien nicht Bahn fährt hat Indien nicht wirklich erlebt!

Reiseblog Tips zum Bahnfahren

  • Weil uns Europäern die richtige Aussprache der Ortsnamen nur selten gelingt, ist es sinnvoll den Zielort auf einen Zettel zu schreiben und vorzuzeigen. Das hilft enorm, übrigens auch bei Hotelnamen für Otofahrten.
  • Flexibilität ist Trumpf. Bestimmte Züge bieten beispielsweise nur bestimmte Klassen an oder fahren nur an bestimmten Wochentagen. Wir haben uns meist erstmal auf der www.rome2rio.com Seite informiert, so bekommt man schon mal einen Eindruck wie es mit dem gewünschten Ziel überhaupt aussieht.
  • Bahnfahrten sind unserer Meinung nach sicher in Indien, sofern man einige wenige Regeln beachtet:
  • Wer alleine reist, sollte keine von Mitreisenden angebotenen Speisen oder Getränke annehmen, auch wenn es schwerfällt. Es gab schon Fälle in denen die Reisenden mit üblen Kopfschmerzen aber ohne Gepäck wieder aufgewacht sind.
  • Wer über Nacht fährt, schläft meist in voll besetzten Zügen. Da besteht auch für allein reisende Frauen kaum eine Gefahr, zumal auch ganze Familien reisen. Sollte der Zug wieder erwarten fast leer sein, ignoriere man einfach seine Platzreservierung und suche sich vertrauenswürdige Gesellschaft, am besten Frauen oder Familien und nimmt ein Bett in deren Nähe. Auf bestimmten Strecken gibt es auch extra Frauenabteile.
  • Gepäck in Nachtzügen stets anschließen und/oder als Kopfkissen verwenden. Wir hatten zwar keinerlei Probleme, aber sicher ist sicher. Viele Züge sind pünktlich, es gibt aber auch Verspätungen von bis zu mehreren Stunden. Hat man Anschlusszüge gebucht sind die dann weg und man muss neue Fahrkarten kaufen. Es gibt keinen Ersatz oder Entschädigung! Man sollte für sehr lange Strecken auch einen Blick auf das Flugzeug werfen, Verbindungen zwischen Megastädten wie Delhi, Mumbai, Chennai und Kolkotta sind selten teurer als 40 Euro und damit fast preisgleich mit Zugfahrten.

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