Zeitloser Ayeyarwady in Mandalay

Ayeyarwady – dieser Name klingt geradezu märchenhaft. Wer dem mächtigen Ayeyarwady Fluss folgt, stösst in der Mitte Myanmars auf die Stadt Mandalay.

Eine staubige Stadt, die neben den breiten Straßen und großen Autos auch sichtbar ihre Armut zeigt.

Am Ufer des Ayeyarwady liegen vom kleinen Ruderboot bis zum 80 m Frachter die Schiffe dicht an dicht. Das Ufer ist unbefestigt – blanke Erde, teils Schlamm. Die kleinen Ruderboote bringen Sand von den Sandbänken des Ayeyarwady ans Ufer. Sie sind so voll beladen, das kaum eine Handbreit Bootswand aus dem Wasser schaut. Als das Boot parallel zum Ufer anlegt, springt ein Mädchen, vielleicht 12 oder 13 Jahre alt, ins Wasser, greift nach dem ersten bereits vollen Korb Sand und gemeinsam mit dem etwa 12-jährigen Jungen an Bord hieven beide geschickt den bestimmt 20 kg schweren Korb auf den Kopf des Mädchens. Sicher geht sie ans Ufer, den Hang hinauf und entleert den Korb vor einem wartenden Lastwagen.

Mit viel Glück haben beide Kinder die Grundschule besucht, bevor sie hier vielleicht die nächsten Jahre oder Jahrzehnte arbeiten.
Nebenan wird ein großes Schiff entladen. Es hat Zuckersäcke im Bauch, jeder 50 kg schwer. Lange Planken, nur 30 cm schmal, führen von der luftigen Bordwand auf das Ufer und danach auf die Ladefläche des wartenden Lastwagen hinauf. Die Frauen und Männer tragen die schweren Säcke scheinbar schwerelos und vollkommen sicher auf dem Kopf oder über der Schulter. Stundenlang die gleichen Handgriffe, die gleiche Mühe – beeindruckend und bedrückend.
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Am Boden vor dem Lastwagen sitzt eine Frau mit einem Korb, in den jede Trägerin und jeder Träger einen farbigen, bleistiftgroßen Stock wirft. Einen Stock für jeden Sack. Jeder Träger wird nach der Anzahl seiner Stöcke bezahlt, die Gesamtzahl aller Stöcke ergibt die Anzahl der Säcke pro Lastwagen. So haben es die Menschen gestern gemacht, vor 100 Jahren, vor 1000 Jahren.
Am oberen Rand der Uferböschung reihen sich Holzhütten aneinander. Hier leben einige der Familien die hier arbeiten, dazwischen liegen kleine Shops, die immer sofort durch die vermüllte Umgebung auszumachen sind.

Oben am Lkw sitzt ein Säugling vor dem Sandberg, den seine Mutter gemeinsam mit anderen auf einem Lastwagen schaufelt. Ob er eines Tages auch hier schaufeln wird oder ob es ihm gelingt oben im Sternehotel, nur wenige hundert Meter entfernt, zu arbeiten? In einer schicken Uniform, englisch sprechend, das die Kinder hier ab dem Kindergarten lernen, sofern sie zur Schule gehen. Zu einem Gehalt, das wahrscheinlich ein vielfaches das seiner Eltern beträgt.
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Reiseblog Tips zum Hafen in Mandalay

  • Die beschriebenen Szenen spielten sich etwa 500 m südlich des Sunset Point ab. Ein kleiner Bereich ist für Touristen abgetrennt, einige Stadtführer halten hier. Hinter dem Absperrband liegt das rauhe, harte Leben, hier sind Umsicht und robuste Schuhe angeraten. Will man fotografieren, sollte man vorher per Blickkontakt klären, ob das passt. Den tobenden Aufseher/Sklaventreiber hab ich sich erstmal austoben lassen, bevor die Kamera aus der Tasche kam.

 

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