Leica Objektive an Fuji

Fuji hat schon seit dem Start der x-pro1 einen Adapter zum Anschluss von Leica Objektiven im Programm. Ohne Zweifel hat die Geschichte seinen Reiz; wer einmal die wunderbare Haptik der Leica Objektive und deren hohe optische Leistung schätzen gelernt hat, weiss wovon ich schreibe.

Außerdem gleichen die Leica Objektive einen Nachteil des Fuji Systems perfekt aus; die im Verhältnis zu den kompakten Bodys zu großen Objektive. Das als Kritik an Fuji, denn trotz Autofocus sollte es kompakter gehen! Nachdem ich vom Super Elmar 21 mm der aktuellen Serie bis zum Noctilux verschiedenste Objektive mit der Fuji getestet habe, bleibt folgendes Fazit:
Das bekannte Problem der unscharfen Ecken bei Blenden unterhalb von 8 haben fast alle Leica Objektive an der Fuji bis 50 mm, nicht nur die Weitwinkel! Der Grund liegt in der Berechnung der Objektive für Film, beziehungsweise der unseligen Traditionslast von Leica. Um alle Leica Objektive auch an heutigen Leica Kameras nutzen zu können, kann Leica diese konstruktiven Vorgaben kaum ändern. Bei einigen Motiven, die sich in Bildmitte befinden, ist dies natürlich kein Problem, ansonsten bleibt vom Vorteil der hohen Lichtstärken der Leica Optiken wenig übrig. Die übrigen optischen Stärken der Leica Optiken, besonders ihre hohe Detailzeichnung, auch Mikrokontrast genannt und die sichtbaren Charaktere der einzelnen Objektive überzeugen auch an der Fuji.
Besonders reizvoll ist das Noctilux – die Kombination seiner 1.0 Lichtstärke mit den hoch ISO tauglichen Fuji erlaubt Euch Bilder zu machen, wo andere ihre Kameras schon lange eingepackt haben. Das im Falle der Kombination mit der XE2 das gebrauchte Noctilux locker sechsmal soviel kostet wie die Kamera, darf einen nicht stören. Ein neues 0.85 Noctilux an einer Fuji geht wirtschaftlich eigentlich gar nicht…
Für die Reise habe ich mich für das Leica Elmarit ASPH 24 mm 2.8, entschieden, es stammt aus den 90er Jahren. Es hat eine ordentliche Lichtstärke und zeichnet Unschärfen (Bokeh) etwas lebendiger als die aktuellen Leica Elmar. Die Preisrelation zum Body passt hier mit ca. 1300 Euro noch ganz gut.
Nun Butter bei die Fische, die nachfolgende Bildreihe zeigt die linke, untere Ecke des Bildes bei 50%. Blende 2.8 zeigt hier auch zur Mitte leichte Schwächen, am Rand ist es schlicht inakzeptabel. Erst ab Blende 5.6 wird die Abbildungsleistung am Rand besser, wer „normale“ Abbildungsleistung will, muss Blende 8-11 wählen. Wie gesagt, bei manchen Motiven fällt dieses Problem gar nicht auf. Die übrigen guten Eigenschaften des Elmarit, wie hohe Kontrastleistung, gute Gegenlichteigenschaften und schönes Bokeh kommen voll zur Geltung, siehe dazu auch dieser Vergleich.
Die Fujis erlauben bei Anschluss von Fremdobjektiven die Beeinflussung einiger Parameter. So kann beispielsweise die Verzeichnung und Vignettierung schon in der Kamera perfektioniert werden.
Leica an Fuji Test
Testreihe Leica Elmarit 24
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Kurze Charakterisierung der von mir getesteten Leica M Objektive:
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Super Elmar M 18 mm 3.8 (aktuelles Modell)
An der Fuji ein 27 mm Objektiv und damit eine „immer drauf“ Linse. In der Bildmitte gute Leistung schon bei Offenblende die bis Blende 8 noch leicht zulegt. Am Rand ab Blende 8 gut. Fast verzeichnungsfrei und sehr Gegenlicht unempfindlich!
Super Elmar 21mm 3.4 (aktuelles Modell)
Sehr schönes, weiches Bokeh, sowohl vor als auch hinter der Schärfeebene. In der Mitte höchste optische Leistung schon bei Blende 3.4, am Rand erst bei Blende 5.6- 8! Fast verzeichnungsfrei.
Elmarit 24 mm 2.8 (90er Jahre)
Etwas härteres Bokeh als die heutige Serie oder je nach Betrachtungsweise etwas lebendiger. Blende 2.8 als Reserve, ab Blende 4 hervorragende Leistung, am Rand erst ab Blende 8.
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Summilux 35 mm 1.4 (70er Jahre)
Eigentlich sind dies zwei Objektive in einem. Bei Offenblende sind die schlecht korrigierten optischen Fehler (sphärische Aberration und Koma vor allem) enorm. Das schafft allerdings bei gezieltem Einsatz auch sehr interessante Bilder. Bei Blende 8 erreicht das Summilux fast die Qualität heutiger Objektive. Nur das Bokeh bleibt über alle Blenden sehr rauh und harsch. Es dürfte übrigens bis heute das kleinste 35 mm mit einer solch hohen Lichtstärke sein. In der Fototasche werdet ihr es wegen seiner Kleinheit vielleicht etwas suchen müssen…
Summilux 35 mm 1.4 ASPH FLE (aktuelles Modell)
Die große Überraschung: Dieses Objektiv bietet schon ab Blende 4.0 an der Fuji eine gute Schärfe im Randbereich, mehr dazu im Einzeltest hier.
Summilux 50 mm 1.4 (aktuelles Modell)
Weiches Bokeh, sowohl vor als auch hinter der Schärfeebene. Hohe Lichtstärke bei äußerst kompakten Abmessungen, leider auch hier erst ab Blende 8 gute Schärfe am Rand. Bei Blende 1.4 in der Mitte wohl eines der besten Objektive weltweit. Wer allerdings wirkliche Perfektion bei Offenblende sucht, sollte sich das Leica Apo Summicron 50 ansehen, wenn er auf die eine Blende Lichtstärke verzichten kann.
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Summicron 50 mm 2.0 (80er Jahre)
Noch höhere Schärfe als das aktuelle Summilux 1.4. Allerdings ist die Schärfe so hoch, das die Bilder recht speziell werden, für meinen Geschmack zu unharmonisch für die Nutzung an Fuji Kameras.
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Noctilux 50 mm 1.0 (70er Jahre)
Der Hammer in jeder Hinsicht und zwei Objektive in einem. 600 Gramm Glas und etwas Metall. Der Charakter bei Offenblende ist einmalig, jedes Foto ist aufgrund der speziellen Kombination von optischen Fehlern als Noctilux Bild erkennbar. Ab Blende 5.6 zeichnet es extrem harmonisch, hoher Mikrokontrast und wunderbares Bokeh liefern Bilder, die einen Vergleich mit anerkannt guten Optiken, wie dem Fuji Makro 60 mm, glatt gewinnen. Außer im Nahbereich natürlich. Zudem weist es nach dem Apo Summicron 50 mm die geringste chromatische Aberration (die ungeliebten Farbkanten an kontrastreichen Motivkanten) aller von mir getesteten Leica Objektive auf. Suchtgefahr!
Apo Summicron 50 mm 2.0
Wer sich schon immer über chromatische Abberation, also die hässlichen Farbsäume besonders an kontrastreichen Kanten, geärgert hat, findet hier Erlösung. Dazu bekommt er noch eine geradezu unglaublich hohe Auflösung auch feinster Bilddetails und einen Schärfe/Unschärfeübergang und Bokeh zum Niederknieen. Die Sache hat nur einen Haken – der Preis. Andere kaufen sich dafür ein kleines Auto – wohlgemerkt ein Neues…

 

7 thoughts on “Leica Objektive an Fuji”

  1. Hallo, ich finde es super das Du dich so ausführlich mit dem Thema Gläser auseinander gesetzt hast. Ich nutze ein 50er 1,4 von Leica auf meiner M10 und möchte mir ein zweites Kamerasystem zulegen – da ist Dein Beitrag echt hilfreich – Danke!

  2. Dear Peter,

    Sorry that I write this comment in English, but my written German is not so good (although I can read, talk and understand it quite well).

    Thank you for this interesting article. I am investigating myself the possibility of using Leica lenses on my Fuji X-E2 body, but I was worried about the quality of the images when using wide-angle lenses (especially the corners). I am happy to see that the Elmarit 24/2.8 (ASPH?) works fine when stopped down to F5.6/F8.0!

    For instance, the Fujinon XF18/2.0 is not so good because of the design of this lens.

    Now I was interested if you have experience or knowledge about the use of the Leica Elmarit 21/2.8 (ASPH). Would this lens work as well as the Elmarit 24/2.8? I would really like to use this lens, because it gives you more of a wide-angle effect with an APS-C sensor.

    Thank you for your reaction,

    Walter Kool
    The Netherlands

    1. Dear Walter,
      sorry but I have never tested the 2.8/21 ASPH. But I think it is similar to the 2.8/24 ASPH because of the same constructor and nearly the same time of launching. I have the current 3.4/21 ASPH, which works similar to the 2.8/24 ASPH, the only different is a little higher sharpness wide open.
      I think the 2.8/21 ASPH will satisfy you. If not, you can resell the optic without any problems. Be careful of the price, you will need some time for searching, but the safest way is an auction from 1 Euro on. The fixed price offers are often to expensive.
      Good luck and let me know your experience!
      Peter

      1. Hello Peter,

        Thanks for your fast reply! How do you think about the 21/3.4 ASPH? Corbner sharpness etc? Could you e-mail me an JPEG file?

        Thanks again.

        Walter

        1. Hi Walter,
          on a Leica Camera the 21\3.4 ASPH is a brillant optic, also wide open. And it was very small, also a little bit smaller than the 21+24 2.8\ASPH.
          The corner sharpness on a fuji is similar to the other both optics. Iam soeey, but I cannot send you any file, because Iam in India up to Mai and have no example files on my laptop. Warm greetings,
          Peter

      2. Hallo Peter,

        I see that you are still travelling, must be a great experience! I thought it would be nice to let you know that I finally made the decision to buy a Leica Elmarit-M 24/2.8 ASPH for my Fuji x-E2!

        I found a great deal in the US (and a friend of mine lives there), so I took the plunge (price was only €965,- without the costs for shipping, and the lens is in very good condition). I have not so much experience yet, but I notice that this corner unsharpness is definitively there, but with F5.6 it almost disappears.

        BTW, can I also posts images here? Then I can show you some results. In the mean time I am very happy to be back to the manual focus experience, and your blog helped me to make the final decision.

        Kind regards,

        Walter

        1. Hi Walter,
          congratulations to your new lens and i hope it will satisfy you!
          Iam sorry, but it is not possible, to send pictures directly with you comments. But if you want, I will be happy as you write an article as a guest author. Of course with pictures.
          For the procedure – you can send your text and pictures (2000 pixel width) to my email account and I will publish at under your name/nickname here.
          Warm regards from Pondicherry, India,
          Peter
          reisefix@gmx.de

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