Geheimtip Van Long Park – die Affen kommen

Vietnam hat sich zu einem viel bereisten Land entwickelt. Die Infrastrukturen sind gut, die Unterkünfte entsprechen oftt europäischem Standard und das Ganze ist für den reisenden Erste-Welt-Menschen recht preiswert. So erschrecken dann manchmal die Dimensionen des Tourismus.

Am Tam Coc Fluss liegen gut 2000 Boote, so dass man zur Hauptreisezeit wohl trockenen Fußes über den Fluss gehen kann. Das ist nicht so unser Ding, also waren wir erfreut, als Scott, unser Homestaybetreiber, uns eine Tour zum Van Long Park vorschlug. Anfahrt mit dem Motorrad, dann eine Bootsfahrt durch den Park und Beobachtung der Delacour Schwarzlanguren, eine Affenart, die nur noch in diesem Teil Vietnams in einer Gesamtpopulation von etwa 200 Tieren vorkommt und so zu den am meisten bedrohten Primaten weltweit zählt.
Um sechs Uhr war Abfahrt, es ging durch wunderbare Landschaften und kleine Dörfer. Menschen waren auf den Feldern, Kinder standen beim Morgenappell vor der Schule. Das weiche Morgenlicht und die immer warme Luft erfreuten unsere Sinne. Schließlich kommen wir am Rande des Parks, am Wasser an. Eine Frau in einem kleinen Boot erwartet uns schon. Das Boot ist aus Bambus und mit einem ganz flachen Boden aus Geflecht, ausgestrichen mit Beton, gebaut. Ideal für das, was uns jetzt erwartet. Sehr bald ist die Wasseroberfläche zugewachsen mit Lotuspflanzen und Wasserlilien. Durch die flache Bauweise werden die robusten Pflanzen nicht abgeknickt, sondern richten sich meistens sofort wieder auf, wenn das Boot vorbei ist. Teils rudernd, teils stakend, bringt uns die Frau kräftig und ausdauernd ins Innere des Parks. 61 Jahre sei sie alt, erzählt Scott und mit Lächeln und Leichtigkeit lässt sie uns fast zwei Stunden lang durch den Park gleiten.
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Scotts suchender Blick wird schließlich belohnt, da sitzt der erste Affe auf einem der Felsen hoch über uns! Footballplayer nennt Scott sie und tatsächlich – die weißen „Shorts“ lassen sie aus der Ferne so wirken. Dann tauchen noch mehr auf, schließlich bewegt sich eine Gruppe von fünf Affen langsam an der dschungelgrünen Felswand entlang. Es ist absolut ruhig hier, nur ein leichter Windstoß ab und an oder ein Vogellaut. Die Affen sind zu weit weg um sie hören zu können, aber mit dem Auge sind sie gut zu erkennen. Ihr enorm langer Schwanz schwingt majestätisch den Bewegungen des Körpers nach.
Auf dem Rückweg treffen wir Fischer in noch kleineren Booten. Sie haben Korbfallen eingesammelt, in denen sich Krabben verfangen haben – bei einem ist der Eimer halbvoll. Das Wasser ist nur zwischen einem halben und einem Meter tief und klar, so können wir die Fallen im Wasser sehen. Nach einiger Zeit erhebt sich eine leise Musik mitten auf dem Wasser, wenige Meter weiter bewegt sich das hohe Schilf – der Fischer hat wohl ein kleines Radio an Bord.
Beeindruckt vom Erlebtem sind wir wieder am Steg angekommen und bedanken uns innig bei der Frau.
Und wenn ich das noch anmerken darf – wir waren das einzige Boot mit Touristen an diesem Vormittag im Van Long Park. Das Einzige.
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