Darjeeling – Dorje Ling

Ein tibetischer Lama namens Dorje Ling, der hier vor langer Zeit ein Kloster auf dem Observatory Hill gründete, gab dem Kloster und Darjeeling seinen Namen.

Als die Engländer 1828 das Kloster entdeckten, pachteten sie das Land von den Königen in Sikkim, das Kloster wurde umgesetzt, sieben Jahre später die Hill Station Darjeeling gegründet und die ersten Teesträucher gepflanzt.

Es ist kurz nach acht, ganz langsam heben sich die Nebel und geben den Blick von der Dachterrasse des Guesthouses auf die Stadt frei. In der Ferne ist für einen Moment der schneebedeckte Kangchendzönga zu sehen, 8598m hoch ist er, der dritthöchste Berg der Erde. Im Winter ist Darjeeling oft in Wolken gehüllt, man versucht den Kangchendzönga zu erahnen wenn man in Richtung Norden blickt. Entdeckt man ihn, stockt einem kurz der Atem.

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reise-ansichten Darjeeling Chowrasta

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In Darjeeling ist das Leben längst erwacht, die schmalen Gassen bergab Richtung Chowrasta (Hauptplatz) sind vor allem mit Schulkindern gefüllt. In Sonam’s Kitchen, einem kleinen Dhaba (Straßenrestaurant), wärmen sich die Reisenden mit heißem Tee und einem guten Frühstück, etwas weiter unten befindet sich der Markt. Kleine hölzerne Schaukästen, in denen die Händler zwischen ihren Waren sitzen, ziehen sich die Straße entlang. Das frische Gemüse ist längst ausgepackt, die ersten Momos (gefüllte Teigtaschen) sind frittiert, tibetisches Brot wird verkauft. Es wird gehandelt, Neuigkeiten werden ausgetauscht. Hier treffen wir die Menschen der Berge, Sherpas, Nepalis, Tibeter, Menschen aus Sikkim, Bhutan und ein paar wenige Touristen, noch ist es zu kalt.

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reise-ansichten Darjeeling Club
Darjeeling Clubhaus

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Lässt man sich mit etwas Zeit durch die Straßen der Hill Station treiben, sind die Spuren der Engländer noch gut sichtbar, alte Teehäuser, Cafés und Hotels im verblassten Viktorianischem Charme, mit Kaminen und dem passenden Mobiliar, den Afternoon Tea zu zelebrieren. Der englische Darjeeling Club, allein für die Teeplantagenbesitzer gegründet, ist eine faszinierende Entdeckung. Als die Fassade des alten Landhauses 1934 nach einem Erdbeben einstürzte, hat man sich des Bauhaus Stils bedient – Eingangsbereich und Veranda entstanden neu. Da der Stil scheinbar so eine besondere Entdeckung war, ist das Restaurant Keventers gegenüber im gleichen Stil erbaut. Zuerst als Junggesellenheim für Teepflanzer und später als Hotel für Kolonialbeamte und Soldaten entstand das Windamere Hotel auf dem Observatory Hill. Hier ist die Zeit im Detail stehen geblieben. Im Musiksalon am Grammophon, an der Bar, die wie eben erst verlassen wirkt, in der Lobby mit den alten Ölgemälden und dem schönen Dining Room hat man es sich gut gehen lassen. Man ist aus der ab April zu heißen Tiefebene in die kühle Luft der Hill Station geflohen. Der Garten mit seinen Heckenrosenbüschen, Pavillons und Sitzecken lädt sehr zum Verweilen ein. Der Zimmerpreis von ab 200 Euro markiert den Gipfel in diesem Reiseblog und lässt uns beherzt weiterziehen. Trotzdem ist die Stimmung einzigartig, für 20 Minuten ein Besuch im „Haus am Eaton Place“.

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reise-ansichten Darjeeling Gompa.

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Zwischen all den Entdeckungen flattern die tibetischen Gebetsfahnen. Einen kurzen Fußweg entfernt kann man die Gebetsmühlen am tibetischen Bhutia Busty Gompa in Bewegung setzen und sich wünschen, das der Himmel noch einmal aufreißt, um einen Blick auf die Berge des Himalaya und die besondere Landschaft zu bekommen, die von leuchtend grünen Teeplantagen und sehr hohen Sicheltannen bestimmt wird. In Darjeeling startete 1953 die erste erfolgreiche Besteigung des Mount Everest, dazu gibt es ein kleines, sehr informatives Mountaineering Museum. Es erzählt auch, dass zwei Expeditionen von Frauen, in den 70er Jahren von Japanerinnen und in den 90er Jahren von Inderinnen, erfolgreich den Gipfel erreicht haben.

Darjeelings Atmosphäre ist besonders von den verschiedenen Kulturen, die hier mit einander leben, bestimmt. Tibetische Klöster, christliche Kirchen und hinduistische Tempel füllen die Stadt mit ihren besonderen Klängen und Ritualen. All das verschmilzt im stimmungsvollen Kerzenlicht, mit dem die kleinen Marktstände bis in den späten Abend beleuchtet sind und an denen die Menschen auch am Abend noch für einen Moment verweilen um sich auszutauschen. Nicht unbemerkt bleiben die Armut, die hohe Arbeitslosigkeit und die erhöhte Luftverschmutzung aber auch das verschwimmt für einen Moment im wärmenden Schein des Kerzenlichtes.

One thought on “Darjeeling – Dorje Ling”

  1. Liebe Dana, das ist wieder eine sehr eindrucksvolle und vor allem nachempfindbare Beschreibung Eures Aufenthalts in Darjeeling. Danke! Elke

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