Badami – ein Beispiel für die Welt

Badami liegt in Karnataka, Südindien, etwa 200 km nördlich von Hampi. Ein Ort den nur wenig westliche Touristen besuchen, trotz seiner zahlreichen, gut erhaltenen Tempel.

Trotz seiner beeindruckenden Felslandschaft, die die damals hier herrschenden Chalukyas um 600 n.C. als natürliche Befestigung ihrer neuen Hauptstadt nutzten und zwischen zwei Felsriegeln einen Stausee mit riesigen Ghats anlegten. Die Tempel der Chalukyas zeigen etwas in Indien einzigartiges: süd- und nordindische Baustile sind hier zeitgleich realisiert, manchmal gar gemischt, worden. Zudem gibt es sowohl Höhlentempel als auch Freibauten.

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Badami: Blick vom Südberg zum Nordberg mit Stausee und Ghats

Heute wächst um Badamis kleinen Altstadtkern herum eine typische indische Kleinstadt heran. Der Altstadtkern ist noch fast vollständig von Neubauten verschont und zeigt indisches Leben wie es schon seit Jahrhunderten gelebt wird. Viel davon spielt sich vor der Haustür auf den Stufen des Eingangs und des kleinen Vorbaus ab. Geschirr und Wäsche werden hier gewaschen, hier hat auch fast jedes Haus inzwischen eine Frischwasserzapfstelle. Hinter der Haustür befindet sich oft noch ein Stall für die Kühe, einige Stufen höher liegt der Wohnbereich. Kleine Läden, Tempel und Moscheen sind über die Stadt verteilt.

Die Unabhängigkeit Indiens, die mit der Teilung des Landes nach Hindus und Muslimen in Indien und Pakistan endete, dieser Tragödie die rund 1 Millionen Tote forderte, ist bis heute eine schwere Bürde für Indien und Pakistan. Viele Inder haben Angst vor Anschlägen pakistanischer Terroristen, für die indische Armee ist Pakistan das Hauptproblem.

Doch trotz alledem ist dieser 1400 Millionen Menschen umfassende Koloss Indien ein zutiefst friedliches Land in dem unterschiedlichste Volksgruppen und Religionen weitgehend friedlich zusammenleben. In diesem Jahr immerhin seit 70 Jahren! Die seit 2014 regierende hindu-nationalistische BJP setzt diese Toleranz allerdings immer wieder aufs Spiel.

Badami lebt heute etwas vor, das mich zutiefst beeindruckt hat. Ein friedliches, wie ich es wahrnehme, Miteinander, nicht nur Nebeneinander, der beiden großen Religionen. Hindus und Muslime wohnen Tür an Tür, es gibt nicht einmal eine Viertelbildung, im Gegenteil. Auf dem Nordberg Badamis steht unter einem riesigen Banyanbaum ein kleines Tempelgelände mit einem hinduistischen und einem muslimischen Tempel. Eine Frau liegt im Sari betend vor dem Hindutempel. Gleichzeitig beendet ein Imam ein Ritual mit einigen Muslimen vor ihrem Heiligtum. Beim rausgehen gibt eine Muslimin einem Affen, ein heiliges Tier für Hindus, etwas Geweihtes zu fressen.

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Muslim-Heiligtum, das Hindu-Heiligtum liegt hinter dem Baum

Badami, dieser kleine versteckte Ort mitten in Indien birgt nicht nur Schätze der Vergangenheit sondern auch ungehobene Schätze für die Zukunft aller Menschen.
Und es zeigt, das Toleranz vielleicht auch eine geschichtliche Konstante sein kann. Jenseits aller Verschiedenheit von Objekt zu Objekt und von Subjekt zu Subjekt.

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Reiseblog Tips zu Badami

  • Badami kann gut mit einem Nachtbus von Goa (Mapusa) oder von Chennai erreicht werden. Preis ca. 1200 Rupien. Oder per Taxi von Hampi (etwa 2700 Rupien). Der Lokalbus von Hampi braucht etwa 8 Stunden – das ist dann doch arg spassbefreit.
  • Das Hotelangebot in Badami ist für Ausländer recht dünn – sehr empfehlen können wir Iroom Z Deluxe nur 50 m von der Busstation entfernt. Die Zimmer sind sauber und gut ausgestattet. Der Inhaber ist sehr nett und hilfsbereit. WiFi verfügbar.
  • Ein heißer Restaurant-Tip ist das The Brigde im Clarks Hotel. Ausgezeichnetes Essen, auch in „nicht scharf“!

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